Erfolg

Wer bin ich? Ein Blick auf den Ausweis verrät zumindest meinen Namen, meinen Wohnort, mein Aussehen. Aber wer bin ich wirklich? Die verbleibende Zeit bei Schule und Familienhaus ist absehbar, wenige Monate, dann folgt „das Leben‟. Geprägt durch den privilegierten Lebensstil, der quasi die freiste Wahl der Zukunft zulässt ohne sich über Unterkunft, Finanzen oder Gesundheit übermäßig sorgen zu müssen und getrieben durch eine dennoch vorhandene Leere, die gefüllt werden möchte, mache ich mich also auf die Suche. Nach dem Danach, dem Sein. Keine Möglichkeit scheint die richtige zu sein. Bin ich nur getrieben vom egoistischen Wunsch nach mehr? Die Zeit verstreicht, der Druck steigt.

Wer nicht mit vollster Hingabe mindestens drei Hobbys verfolgt, sich begnadet kreativ auslebt, Erfolg nach Erfolg in jeder Hinsicht erzielt und nebenbei Familie und Freundschaften pflegt hat doch noch lange nichts erreicht. Denke ich über mich, sehe andere, die selbiges denken und verfolgen, muss doch mithalten können, da sicherlich selbiges von mir erwartet wird.

Wieso machen sich immer früher Menschen selbstständig, gründen ein Unternehmen, ohne jemals vorher gearbeitet zu haben? Wegen der genialen Geschäftsidee, die sie vom Guru höchstpersönlich aus einem YouTube-Video erfahren haben, oder aus dem naiven Drang nach Selbstverwirklichung und Ansehen, auf dessen Erzielung die Gesellschaft uns förmlich angeilt und süchtig macht?

Wer sich für Status nicht gleich finanziell ruinieren möchte, probiert es vielleicht im Internet (👋). Über Herzchen auf Fotos vom Badspiegel sowie geistreichsten Gedankengängen definieren wir uns und werden definiert. Egal wo, egal wie und egal in welcher Form – irgendwie möchte jede*r doch für das eigen Tun gefeiert werden.

Die Frage bleibt nur, ist das gut, und wenn ja, bis zu welchem Punkt? Erfolg verlockt, motiviert oder deprimiert, täuscht und ist vortäuschbar und das gesellschaftliche Maßband schlechthin. Sicherlich kann man kaum autonom glücklich werden, aber reine Erfolgsorientierung und die entsprechende Erwartungshaltung an uns selbst und andere hilft gewiss nicht – Erfolg gönnen, aber gleichzeitig nicht als drückenden Vergleichspunkt und Endziel zu verwenden ist die Krux. Denn wollen wir wirklich nur Repräsentationen unseres Erfolges sein oder steckt doch noch etwas mehr hinter der Person auf der Plastikkarte, die jede*r mit sich herumträgt? Da ist es doch beruhigend, dass neben Name, Wohnort und Aussehen hierzulande der Erfolg auf dieser noch nicht vermerkt ist.

Es lief: It Don’t Matter